Urinstatus/-sediment


Probenmaterial

Frischer Urin - 10 ml

  • Urinröhrchen ohne Zusatz

Bearbeitungsfrequenz
täglich

Nachforderung
nicht möglich

Beurteilung:
- Leukozyten: Leukozyturie ist ein Hauptsymptom bei Harnwegsinfekten. Bei lysierten Leukozyten und dementsprechend Leukozyten-negativem Sediment bleibt das Teststreifen-Ergebnis trotzdem positiv (Nachweis der Esterase-Aktivität).
- Erythrozyten: positiver Nachweis verursacht durch Entzündungen, Harnsteine, hämorrhagische Diathese, Tumore, Verletzungen. Der Nachweis mit dem Teststreifen (Peroxidaseaktivität von Hämoglobin bzw. Myoglobin) kann nicht zwischen Erythrozyten, Hämoglobin und Myoglobin unterscheiden.
- Eiweiß: Albumin wird gut erfasst, IgG bereits deutlich schlechter, freie kappa- und lambda-Leichtketten sehr schlecht (ggf. negatives Teststreifen-Ergebnis für Eiweiß bei Leichtkettenmyelom).
- Glucose: Glucose ist ab einer Konzentration von ca. 40 mg/dl Urin nachweisbar.
- Nitrit: viele Erreger von Harnwegsinfekten reduzieren Nitrat zu Nitrit (z.B. der häufigste Erreger E. coli). Enterokokken, die zweithäufigsten Erreger von Harnwegsinfekten, produzieren hingegen kein Nitrit!
- Zylinder: Die Ausscheidung von Zylindern kann auf eine Nierenerkrankung hinweisen. Zellfreie Zylinder (hyaline Zylinder, granulierte Zylinder, Wachszylinder) können aber auch bei Nierengesunden nach starker körperlicher Anstrengung gefunden werden. Zellzylinder deuten auf eine renale Hämaturie (Erythrozyten- oder Blutzylinder) bzw. eine renale Beteiligung an einer Entzündung (Leukozytenzylinder) hin.
- Bakterien: Der Nachweis von Bakterien im Sediment sollte nur zusammen mit dem Leukozytennachweis beurteilt werden. Eine signifikante Bakteriurie ohne gleichzeitige Leukozyturie ist selten.
- Akanthozyten: 2 - 5 % V.a.glomeruläre Hämaturie, über 5 % glomeruläre Hämaturie
Die Sensitivität eines positiven Leukozyten- oder Nitrit-Nachweises für eine positive Urinkultur liegt zwischen 70 und 85 %. Ein negatives Teststreifenergebnis schließt daher einen Harnwegsinfekt nicht aus. Die Spezifität beträgt ca. 60 %. Der Nachweis hoher Leukozytenzahlen hat eine höhere Spezifität (bis über 95 %). Der Nachweis von Bakterien im Urin-Sediment bringt keine zusätzliche Information. Bei hohen Bakterienzahlen ist der Leukozyten-Nachweis praktisch immer positiv; wenig Bakterien im Sediment ohne positive Leukozyten-Esterase im Urin-Status sind nicht eindeutig verwertbar. Daher ist folgendes Vorgehen empfehlenswert:
- Urin-Status zum Ausschluß einer Harnwegs-Infektion (bei weniger dringendem klinischen Verdacht)
- bei positivem Ergebnis ggf. Urinkultur je nach Stärke der Reaktion(en) (Leukozyten und Nitrit) im Urin-Status und klinischen Beschwerden
- bei dringendem klinischen Verdacht direkt kulturelle Untersuchung des Urins
- Urin-Sediment bei ausgewählten Fragestellungen (Nachweis von Epithelien und Zylindern, wichtig v.a. bei nephrologischen und polytraumatisierten Patienten).
Weiterführende Untersuchungen: Urin-Eiweißdifferenzierung (bei Hinweis auf Proteinurie bzw. Hämaturie).