Liquordiagnostik: Reiber-Schema
Immunturbidimetrie
Das Reiber-Schema ist die logarithmische Darstellung der Liquor/Serum-Quotienten von Albumin, IgG, IgA und IgM. Durch die Darstellung im Diagramm lässt sich eine Aussage darüber treffen, ob eine Blut-Liquor Schrankenfunkvorliegt und (oder), ob eine intrathekale Immunglobulinsynthese besteht.
Der Liquor ist als eine Art „Ultrafiltrat“ des Blutes anzusehen, da alle Proteine aus dem Blut auch im Liquor zu finden sind – allerdings in unterschiedlicher Konzentration. In Abhängigkeit ihrer Molekülgröße und des Konzentrationsgradienten zwischen Blut und Liquor gelangen die Bluteiweiße in den Liquorraum. Der Albuminquotient dient als Bezugsmaß, denn Albumin stammt ausschließlich aus dem Blut und wird nicht im ZNS produziert.
Im Reiber-Schema kann anschaulich dargestellt werden, welcher Anteil der Immunglobuline im Liquor aus dem Blut stammt und, welcher Anteil von ZNS-ständigen B-Zellen selbst produziert wird.
Damit kann eine Aussage über einen entzündlichen Prozess und oder eine Schrankenfunktionsstörung gemacht werden.
Die Bestimmung des Reiber-Schemas erfolgt mit der Fragestellung nach infektiösen oder nicht-infektiösen, entzündlichen ZNS-Erkrankungen sowie der Frage nach einer gestörten Blut-Liquor Schrankenfunktion. Folgende Erkrankungen gehen mit den genannten Veränderungen einher:
- Multiple Sklerose
- Virale oder bakterielle Meningitiden
- Neuroborreliose
- Neurotuberkulose
- HIV-Encephalitis
- Autoimmun-Encephalitiden
- Polyneuropathien
- ZNS-Tumoren oder Meningeosis neoplastica
Das Reiber-Schema wird in der Erstdiagnostik sowie zur Verlaufsbeurteilung eingesetzt.
In der Graphik werden die Liquor/Serum-Quotienten von Albumin, IgG, IgA, IgM in einem doppelt logarithmischen Diagramm abgebildet. Durch diese Darstellung ist es möglich
1. Die Schrankenfunktion mit dem Albumin-Quotienten zu beurteilen (vertikale Grenzlinie)
2. Eine Intrathekale Immunglobulinsynthese darzustellen mittels QIgG, QIgA, QIgM (Werte oberhalb der Referenzlinie à lokale Antikörperproduktion im ZNS)
| Referenzbereiche Liquor-/Serum-Quotient für Albumin (QAlb): | ||
|---|---|---|
| Neugeborene unter 7 Tage | 8 - 28 | x 10-3 |
| Neugeborene unter 30 Tage | 5 - 15 | x 10-3 |
| Kleinkinder unter 2 Monate | 3 - 10 | x 10-3 |
| Kleinkinder unter 3 Monate | 2 - 5 | x 10-3 |
| Kinder 3 Monate bis 5 Jahre | 0.3 - 3.5 | x 10-3 |
| Kinder 6 bis 15 Jahre | unter 5 | x 10-3 |
| 16 bis 40 Jahre | unter 6.5 | x 10-3 |
| 41 bis 45 Jahre | unter 7 | x 10-3 |
| 46 bis 60 Jahre | unter 8 | x 10-3 |
| 61 bis 75 Jahre | unter 9 | x 10-3 |
| über 75 Jahre | unter 10 | x 10-3 |
Der Vergleich der Liquor/Serum-Quotienten für IgG, IgA und IgM mit QAlb erlaubt eine Unterscheidung zwischen Immunglobulin-Erhöhungen aufgrund einer Blut-Liquor-Schrankenstörung und lokaler intrazerebraler Immunglobulin-Synthese.
Die obere Unterscheidungslinie zwischen lokaler Immunglobulinsynthese und aus dem Serum übergetretener Immunglobulin-Fraktion ist im Quotientendiagramm dick eingezeichnet. Werte oberhalb der Linie weisen auf eine intrazerebrale Immunglobulin-Synthese hin. Die dicken vertikalen Linien zeigen die altersabhängigen Referenzbereiche für QAlb x 10-3 an; QAlb = 5 (bis 15 Jahre), QAlb = 6.5 (16 - 40 Jahre) und QAlb = 8 (46 - 60 Jahre).
Stand: 18.05.2026