Zytologie

Zytologie (Zervix), siehe auch HPV
Methode: Konventionelle und ThinPrep (Dünnschicht)-Zytologie, Färbung nach Papanicolaou, Mikroskopie
Material:

- Konventioneller Zervixabstrich

Vor der Abstrichentnahme Objektträger und Untersuchungsauftrag mit Barcodeetikett versehen. Nach Einstellung der Portio den für die jeweilige Portio geeigneten Szalay-Spatel so in die Zervix einführen, dass die Spitze (“Zunge”) im Zervikalkanal und die konkave Aussparung (“Schulter”) auf der Portiooberfläche liegt. Durch ein- oder (wenn keine Blutung eingetreten ist) zwei- bis dreimaliges Drehen des Spatels um seine Achse kann gleichzeitig endo- und ektozervikales Zellmaterial gewonnen werden.

Nach der Materialentnahme die Längsseite des Spatels, auf der das Zellmaterial angehäuft ist, flach auf den Objektträger auflegen und seitlich ausstreichen. Dies ein- bis zweimal wiederholen. Sicherheitshalber auch die Spatelrückseite einmal ausstreichen. Cyto-Brush in den Zervikalkanal einführen, max. 1⁄4-mal drehen. Cyto-Brush anschließend auf dem Objektträger ausrollen. Für die vertragsärztliche „Krebsfrüherkennung Frauen“ ist die getrennte Materialentnahme von Portiooberfläche (Spatel) und Zervixkanal (Bürste) vorgeschrieben. Ekto- und endozervikales Zellmaterial üblicherweise auf denselben Objektträger aufbringen. Zellmaterial auf dem Objektträger zügig (!) in 99 %igem Isopropylalkohol (oder 96%igem Äthylalkohol) fixieren (Dauer 10 bis 20 min.). Bei Verwendung von Fixierspray 20 bis 30 cm Abstand beim Sprühen beachten. Nach Trocknung des Fixiermittels Objektträger in Versandboxen zusammen mit dem Untersuchungsauftrag (siehe unten) in der Versandtasche an das Labor senden.
- ThinPrep
Vor der Abstrichentnahme Versandbehälter und Untersuchungsauftrag mit Barcodeetiketten versehen. Nach Einstellung der Portio den konischen Teil des Cervex Brush® (“Besen”) in den Zervikalkanal einführen und den Cervex Brush® dreimal um seine Achse drehen, sodass gleichzeitig Zellmaterial aus dem CK und von der Portioo- berfläche gewonnen wird. Bei unzureichender Materialentnahme aus CK zusätzlich Cyto-Brush verwenden (s.o.). Nach der Materialentnahme Cervex Brush® und Cyto-Brush in der Lösung des Versandbehälters ausspülen. Versandbehälter verschließen und in der Schutzhülle und mit dem Untersuchungsauftrag (siehe unten) im Versandumschlag an das Labor senden.

Bitte auf dem Untersuchungsauftrag vermerken:

- Nachname, Vorname, Geburtsdatum, ggf. Adresse der Patientin
- Kostenträger
- Datum der Abstrichentnahme
- Datum des letzten Abstrichs und des Befundes (sofern bekannt)
- Angaben zum gynäkologischen Befund (z.B. auffällige Portio, Entzündung, Tumor, Schwangerschaft)
- Angaben zur gynäkologischen Anamnese (z.B. letzte Regelblutung, orale Kontrazeption, IUD, klimakterische/postmenopausale Hormonsubstitution, pathologische Blutung, Operationen, Strahlen- oder Chemotherapie)
- Arztstempel nicht vergessen

Abstrichentnahmen sollten - falls es der klinische Befund zulässt - nicht während einer (Regel-)Blutung erfolgen. Optimal ist eine Zellentnahme in der Zyklusmitte. Unbedingt sollte die Zellentnahme die Umwandlungszone erfassen. Auch bei Atrophie in der Post- menopause muss auf eine sorgfältige endozervikale Zellgewinnung geachtet werden. Grundsätzlich sollte vor der Abstrichentnahme keine Manipulation an der Portio erfolgen. Nur ausnahmsweise sind größere Vaginal- oder Zervixsekretmengen von der Portioo- berfläche vorsichtig wegzutupfen. Kolposkopische Maßnahmen (Essigsäureanwendung, Schiller-Jodprobe) sind nach der Zellentnahme durchzuführen.

Falsch negative zytologische Befunde sind überwiegend auf eine unzureichende Materialentnahme zurückzuführen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer optimalen Abstrichtechnik.
Dank der in Deutschland seit 1971 angebotenen Vorsorgeuntersuchungen ist die Inzidenz des Zervixkarzinoms um über 60% gefallen. Der routinemäßig durchgeführte Zervixabstrich (Portio/ Endozervix) ist somit eine der erfolgreichsten Maßnahmen zur Verhütung von Krebs. Mit regelmäßig durchgeführten Zervixabstrichen (gemäß den Empfehlungen im einjährigen Intervall) lassen sich zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN) zu 95% erfassen. Auch für die Erkennung des Endometriumkarzinoms und seiner Vorstufen sowie maligner extrauteriner Genitaltumoren kann der Zervixabstrich wertvolle Hinweise liefern.

Aktuell werden zwei verschiedene Verfahren zur Materialverarbeitung angeboten: die konventionelle und die ThinPrep (Dünnschicht)-Methode. Bei dem ThinPrep-Verfahren, das derzeit noch keine Kassenleistung ist, werden die Beurteilung erschwerende Begleit- faktoren (Blut, Detritus) weitgehend beseitigt und die Zellen dünn auf den Objektträger aufgebracht. Dadurch wird

- vermehrt aussagekräftiges Abstrichmaterial gewonnen. Die Anzahl nicht oder eingeschränkt beurteilbarer Zellbilder sinkt.
- die Sensitivität erhöht. Dysplasien, Carcinomata in situ und Karzinome werden zytodiagnostisch besser erkannt.
- die Anzahl unklarer/zweifelhafter Befunde gesenkt.
In beiden Verfahren wird das Zellmaterial nach Papanicolaou gefärbt. Die Beurteilung erfolgt ab 1.7.2014 nach der Münchener Nomenklatur III:

Proliferationsgrad nach Schmitt:

4 ausschließlich Superfizialzellen (> sehr hoher Aufbau)
4-3 vorwiegend Superfizialzellen, vereinzelt große Intermediärzellen
3-4 vorwiegend große Intermediärzellen, vereinzelt Superfizialzellen
3 ausschließlich große Intermediärzellen
3-2 vorwiegend große Intermediärzellen, vereinzelt kleine Inter- mediärzellen
2-3 vorwiegend kleine Intermediärzellen, vereinzelt große Inter- mediärzellen
2 ausschließlich kleine Intermediärzellen
2-1 vorwiegend kleine Intermediärzellen, vereinzelt Parabasalzellen
1-2 vorwiegend Parabasalzellen, vereinzelt kleine Intermediärzellen
1 ausschließlich Parabasalzellen (> atrophisches Zellbild)
Mikroorganismen
KLASSIFIKATION ZYTOLOGISCHER BEFUNDE
Gruppe Gruppe Empfehlung
0 Unzureichendes Material Abstrichwiederholung
I Unauffällige und unverdächtige Befunde Abstrich im Vorsorgeintervall
II-a Unauffällige Befunde bei auffälliger Anamnese Ggf. zytologische Kontrolle
II Befunde mit eingeschränkt protektivem Wert
II-p Plattenepithelzellen mit geringgradigen
Kernveränderungen als bei CIN I auch mit
Koilozytose/Parakeratose
Ggf. zytologische Kontrolle, in
besonderen Fällen additive
Methoden
II-g Zervikale Drüsenzellen mit Anomalien, die über
das Spektrum reaktiver Veränderungen hinausreichen
Ggf. zytologische Kontrolle, in
besonderen Fällen additive
Methoden
II-e Endometriumzellen bei Frauen > 40. Lebensjahr in
der zweiten Zyklushälfte
Klinische Kontrolle
III Unklare bzw. zweifelhafte Befunde
III-p CIN II/CIN III/Plattenepithelkarzinom nicht
auszuschließen
Differentialkolposkopie, ggf.
additive Methoden, evtl. kurz-
fristige zytologische Kontrolle
nach Entzündungsbehandlung,
hormoneller Aufhellung
III-g Ausgeprägte Atypien des Drüsenepithels,
ACSI/invasives Adenokarzinom nicht auszuschließen
Differentialkolposkopie, ggf.
additive Methoden
III-e Abnorme endometriale Zellen (insbesondere
postmenopausal)
Weiterführende klinische
Diagnostik, ggf. mit
histologischer Klärung
III-x Zweifelhafte Drüsenzellen ungewissen Ursprungs Weiterführende Diagnostik
IIID Dysplasiebefunde mit größerer Regressionsneigung
IIID1 Zellbild einer leichten Dysplasieanalog CIN I Zytologische Kontrolle in 6
Monaten, bei Persistenz mehr
als 1 Jahr ggf. additive Methoden
IIID2 Zellbild einer mäßigen Dysplasie analog CIN II Zytologische Kontrolle in 3 Monaten,
bei Persistenz mehr als
6 Monate Differenzialkolposkopie,
ggf. additive Methoden
IV Unmittelbare Vorstadien des Zervixkarzinoms Differenzialkolposkopie und Therapie
IVa-p Zellbild einer schweren Dysplasie/eines
Carcinoma in situ analog CIN III
IVa-g Zellbild eines Adenocarcinoma
in situ
IVb-p Zellbild einer CIN III, Invasion nicht
auszuschließen
IVb-g Zellbild eines Adenocarcinoma in situ,
Invasion nicht auszuschließen
V Malignome Weiterführende Diagnostik mit
Histologie und Therapie
V-p Plattenepithelkarzinom
V-g Endozervikales Adenokarzinom
V-e Endometriales Adenokarzinom
V-x Andere Malignome, auch unklaren Ursprungs

Namen von Konsiliarlaboratorien (z.B. bei auffälliger Diskrepanz zwischen zytologischem Ergebnis und nachfolgender Histologie) können im LABOR abgefragt werden.

Eine morphologische Hilfe zur Klärung unklarer zytologischer Befunde und zum Festlegen des weiteren Vorgehens bei zytologisch diagnostizierten Dysplasien bietet die p16/Ki67-Doppelmarkierungsmethode CINtecPLUS, mit der onkogen transformierte Zellen nachgewiesen werden können. Bei zytologisch unklaren Fällen weist diese Methode eine hohe Sensitivität (über 90%) und Spezifität (über 80%) in der histologisch bestätigten CIN III-Diagnostik auf. Einen entsprechenden Untersuchungsauftrag leiten wir an ein externes Labor weiter.
Die HPV-Typisierung (HPV (humane Papillomaviren) (DNA-Nachweis)) kann entscheidend dazu beitragen, das weitere Vorgehen festzulegen. Bei kontrollbedürftigen Befunden der Gruppe II und unklaren Befunden der Gruppe III mit auffälligen Plattenepithelveränderungen besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie. Der Nachweis von HPV in leichten und mäßigen Dysplasien (zytologische Gruppe III D) gilt als Vorbedingung für die Entstehung einer schweren Dysplasie oder eines Carcinoma in situ.
Aktualisiert: 17.12.2018 15:49 Uhr