Neugeborenen-Screening: Zystische Fibrose

siehe auch Neugeborenen-Screening

Im Laufe des Jahres 2016 wurde in Deutschland ein flächendeckendes Neugeborenen-Screening auf Zystische Fibrose (CF) eingeführt (Screening auf Zystische Fibrose, Gemeinsamer Bundesausschuss, 30.07.2015, www.g-ba.de). Dies erfolgt gemeinsam mit dem etablierten Screening mittels Vollblut auf Filterkarte. Aufgrund der Erfahrung aus anderen Ländern erlaubt eine frühe Diagnosestellung den prompten Beginn einer kompetenten Therapie, die Senkung der Zahl schwerer Krankheitsverläufe sowie die Verlängerung der Überlebenszeit bei höherer Lebensqualität.
CF ist eine autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung. Die Prävalenz in Deutschland liegt bei ca. 1:3000; jährlich werden etwa 200 bis 300 Kinder mit CF geboren. Die gestörte Funktion von Chloridkanälen führt zu einer erhöhten Viskosität aller Sekrete exokriner Drüsen. Es handelt sich somit um eine Multisystemerkrankung, wobei klinisch vorwiegend die Lunge, die Bauchspeicheldrüse und die Gallenwege betroffen sind.
Das CF-Screening folgt einem dreistufigen Algorithmus:
Stufe 1: Immunreaktives Trypsin (IRT)
- Neugeborene mit CF weisen erhöhte IRT-Konzentrationen auf. Der Verdacht auf CF besteht, wenn IRT ≥ der 99.9 te Perzentile liegt. Aufgrund der relativ niedrigen Spezifität folgt bei IRT ≥ 99.0 te und kleiner 99.9 te Perzentile die Stufe 2.
Stufe 2: Pankreas Assoziiertes Protein (PAP)
- Neugeborene mit CF weisen erhöhte PAP-Konzentrationen auf. Als Cutoff gilt 2.1 µg/l. Der Verdacht auf CF besteht, wenn PAP ≥ der 87.5 te Perzentile liegt. Bei auffälligen Neugeborenen schließt sich die Stufe 3 an.
Stufe 3: DNA-Mutationsanalyse des CFTR-Gens
- Im Rahmen der Untersuchung des Cystic Fibrosis Transmembrane Regulator ( CFTR)-Gens wird nach 31 Mutationen gesucht (siehe auch Zystische Fibrose). Mit dem Test auf die häufigste Mutation, Δ F508, werden über 75 % der CFTR-Mutationen bei deutschen Patienten aufgedeckt. Milde Mutationen werden nicht untersucht, da die Patienten erst im fortgeschrittenen Alter Symptome entwickeln und eine frühe Diagnose und Therapie eine unnötige Belastung nach sich ziehen würden.
Da Neugeborene aus Familien mit Migrationshintergrund ein divergierendes Mutations-Spektrum aufweisen, erfolgt ein „failsafe-Verfahren“, um eine Gleichbehandlung verschiedener ethnischer Gruppen zu erzielen. Das Vorgehen besteht darin, alle Neugeborenen mit IRT ≥ der 99.9 te Perzentile ohne Zwischenschritt einer Mutationsanalyse einem Schweißtest zuzuführen.
Das Screening gilt als positiv bei IRT ≥ 99,9te Perzentile oder Nachweis mindestens einer CFTR-Mutation. Bei all diesen Neugeborenen erfolgt ein Schweißtest (Chloridmessung) sowie eine klinische Abklärung in einer anerkannten CF-Einrichtung.
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Durchführung
Bewertung
Aktualisiert: 24.02.2020 11:41 Uhr