FactsheetSARS-CoV-2

Epidemiologie, Pathologie und Möglichkeiten der Labordiagnostik: Lesen Sie die wichtigsten Fakten über SARS-CoV-2 im Überblick.

Charakteristika des Erregers 1 2

  • Virusname: SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2)
  • Gattung: Betacoronavirus
  • behülltes Einzelstrang-RNA-Virus
  • bisher drei genetische Linien A, B und C

Aufbau des Virus und Mutationen

  • Weitere Informationen finden Sie hier
  • Nähere Informationen zum Thema „Mutationen und Ansprechen auf mRNA-Impfstoffe“ finden Sie hier

Übertragungswege

  • Hauptübertragungsweg: Tröpfcheninfektion 3 14
  • Aerosole 3 4 5
  • Kontaktübertragung über kontaminierte Oberflächen und Körperteile 6 7 61
  • fäkal-oral: bisher nicht eindeutig 8 9 10
  • vertikale Übertragung in der Schwangerschaft: fraglich 11 12 13

Epidemiologie 14 25 15 16 17 18 19

Erkrankungsalter
im Median

45 Jahre

Manifestationsindex

55% - 85%

Basisreproduktionszahl R0

2 - 3, 3

ohne Maßnahmen
Inkubationszeit

1 - 14 Tage

im Mittel 5 - 6 Tage
in Abhängigkeit von Teststrategie und Meldungen

10,5%

in Abhängigkeit von Teststrategie und Meldungen

Dauer der Infektiosität 20 21 22 23 24 25 26 60

  • ab ca. zwei Tagen vor Symptombeginn
  • höchste Ansteckungsfähigkeit: unmittelbar vor Symptombeginn
  • Zeitpunkt Ende der Ansteckungsfähigkeit: aktuell noch unsicher, wahrscheinlich nach Tag 10 ab Symptombeginn je nach Ausprägung der Erkrankung
2 Tage vor Symptombeginn

Infektiosität

10 Tage nach Symptombeginn

Falldefinition gemäß RKI 27

  • klinisches Bild
  • labordiagnostischer Nachweis
  • epidemiologische Bestätigung

Klinisches Bild

  • spezifisches klinisches Bild eines COVID-19: Pneumonie
  • unspezifisches klinisches Bild eines COVID-19: definiert als eines der beiden folgenden Kriterien: akute respiratorische Symptome jeder Schwere, krankheitsbedingter Tod
Es besteht Meldepflicht gemäß §6 und §7 des Infektionsschutzgesetzes.

Pathogenese und Klinik 28 29 30 31 32 33

  • sehr variable Verläufe von asymptomatischen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen
  • initiale Replikation des Virus in den Atemwegen
  • teils überschießende Immunantwort durch Freisetzung von Zytokinen (Zytokinsturm)
  • Luftnot als mögliches Zeichen eines beginnenden schweren Verlaufes

Weitere mögliche Organbeteiligung

Organbeteiligung

Häufigste Symptome 34

Husten 45%
Fieber38%
Schnupfen20%
Geruchs-/Geschmacksstörung15%
Pneumonie3%

Prognose 35 36

  • im Regelfall milde Verläufe: >80%
  • schwere Verläufe (KH-Aufnahme nötig): bis zu 14%
  • kritische Krankheit mit akuter Lebensgefahr: bis 5%
  • hohe Sterblichkeit bei Eintreten einer intensivmedizinischen Beatmungspflicht

Spezielle Patientengruppen

Risikogruppen für schwere Verläufe 14 37 38 39 40 41

  • im Regelfall milde Verläufe: > 80%
  • Patienten mit chronische kardiovaskuläre Vorerkrankungen (z.B. KHK, Bluthochdruck) bzw. schwerer Herzinsuffizienz
  • Patienten mit Diabetes mellitus
  • Raucher (geringe Evidenz)
  • Patienten mit chronischen Lungen- (z.B. COPD), Nieren- und Lebererkrankungen
  • Patienten mit einer aktiven onkologischen Erkrankung
  • Patienten unter therapeutischer Immunsuppression
  • Patienten mit starker Adipositas sowie Patienten mit schlechtem Ernährungszustand

Schwangere und Stillende 42 43 44 45 46

  • scheinbar seltener symptomatische Fälle bei SARS-CoV-2-infizierten Schwangeren
  • keine ausreichenden Studiendaten, um schwereren Verlauf in Schwangerschaft zu belegen
  • Prüfung einer Thromboseprophylaxe
  • Hygienemaßnahmen beim Stillen

Kinder 47 48 49 50 51 52 53

  • Kinder scheinen etwas weniger empfänglich für eine COVID-19-Erkrankung zu sein.
  • Eher mildere Verläufe, wenige schwere Verläufe, v.a. bei Säuglingen und Kleinkindern.
  • Teilweise Berichte über Krankheitsbilder ähnlich dem Kawasaki-Syndrom mit einer multisystemischen Inflammation. 54 55

Pathologisch veränderte Laborwerte bei schweren Verläufen 29 56 57

  • CRP ↑, CK ↑, LDH ↑↑, z. T. Ferritin ↑↑↑
  • Lymphopenie typisch für COVID-19, bei schweren Verläufen eher Leukozytose / Neutrophilie
  • PCT ↑ bei bakterieller Superinfektion, sonst in der Regel normwertig
In Abhängigkeit von Organbeteiligung:
  • Kreatinin ↑, Harnstoff ↑ als prognostisch ungünstiges Zeichen
  • Gesamt-Bilirubin ↑, GPT ↑ als Zeichen einer Leberschädigung
  • Troponin ↑ bei kardialer Beteiligung
  • D-Dimere ↑

Koagulopathie bei COVID-19-Erkrankten 58 59

  • Erhöhtes Thromboserisiko bei ambulanten und stationären COVID-19-Patienten: D-Dimere bestimmen
  • D-Dimere signifikant erhöht (>1500-2000 ng/ml): Thromboseprophylaxe
  • Bei gesicherter COVID-19-Erkrankung sollte auch im ambulanten Bereich die Indikation zur medikamentösen Thromboseprophylaxe fortlaufend geprüft und großzügig gestellt werden.
  • Alle hospitalisierten COVID-19-Patienten sollten hämostaseologisch überwacht werden und eine medikamentöse Thromboseprophylaxe erhalten. Bei Vorliegen von Risikofaktoren/erhöhten D-Dimeren ggf. in intensivierter Dosis (stets Anpassung bei Niereninsuffizienz).

Möglichkeiten der Labordiagnostik

Nachweis einer akuten Infektion:

Methode der Wahl: direkter Virusnachweis aus einem naso- oder oropharyngealen Abstrich oder aus respiratorischem Material.

Eine Anleitung zur Durchführung des Abstrichs finden Sie hier.

Häufigstes Verfahren zum Erregernachweis ist die sogenannte Real Time PCR (RT-PCR). PCR steht für Polymerase Chain Reaction bzw. Polymerasekettenreaktion.

Die PCR ist der Goldstandard für die Akutdiagnostik.

Falsch negative Ergebnisse sind möglich bei

  • mangelnder Qualität der Probe bzw. des Abstrichs.
  • Fehler bei Transport oder Lagerung.
  • Spätphase der Erkrankung, da die größte Viruslast dann meist nicht mehr im Rachenbereich, sondern in den tieferen Atemwege vorzufinden ist.

Mehr über falsch negative Ergebnisse finden Sie in unserem FAQ zum Theama Labordiagnostik. Ob der Antigen-Nachweis aus respiratorischen Sekreten in Zukunft eine Rolle spielen wird, ist momentan Gegenstand der Forschung.

Ein ebenfalls in der aktuellen Fachliteratur diskutiertes Thema ist der Einfluss der Testsensitivität und der Testfrequenz auf die Aussagekraft von COVID-19-Screenings. 62 63

Nachweis einer abgelaufenen Infektion:

Methode der Wahl: serologischer Nachweis von Antikörpern (AK), die gegen das Virus bzw. gegen Virusbestandteile gebildet wurden. Der Antikörper-Test ist nicht für die Akutdiagnostik geeignet!

Nachweisbarkeit

Verfügbare Testsysteme

elisa

ELISA

Enzyme-Linked Immunosorbent Assay
eclia

(E)CLIA

(Elektro-)Chemilumineszenz Immunoassay
ift

IFT

indirekte Immunfluoreszenz (nicht kommerziell)
Virus-Neutralisationstest

Virus-Neutralisationstest

nur in Speziallaboren
Schnelltest

Schnellteste

Lateral Flow Immunoassays, chromatografische Immunoassays (aktuell unzureichende Beurteilbarkeit der Leistungsfähigkeit)

Details zu den verschiedenen Testsystemen finden Sie in unserem FAQ zum Thema Labordiagnostik.

Eine Übersicht der verschiedenen Testverfahren finden Sie hier und hier.

Virus-Varianten

Im Lauf der SARS-CoV-2 Pandemie haben die Viren eine zunehmende Anzahl von Veränderungen (Mutationen) in ihrer Erbinformation angehäuft. Bestimmte Mutationen können sich auf die Eigenschaften des Virus wie z.B. Übertragbarkeit, Virulenz oder Immunogenität auswirken.

Seit Mitte Dezember 2020 wird aus dem Vereinigten Königreich (UK) über die zunehmende Verbreitung einer Variante berichtet, die der Linie B.1.1.7 angehört.

Im Dezember 2020 wurde zudem erstmals vom vermehrten Auftreten einer SARS-CoV-2 Variante in Südafrika (B.1.351) berichtet, die wie die Variante B.1.1.7 mehrere Mutationen im Gen für das im Spikeprotein aufweist.

Im brasilianischen Staat Amazonas wurde eine SARS-CoV-2 Variante detektiert, die von der Linie B.1.1.28 abstammt (B.1.1.28 P.1).

Bei diesen Varianten wird eine erhöhte Übertragbarkeit beobachtet. Eine erhöhte fallbezogene Sterblichkeit wird diskutiert.

Alle drei Varianten werden mit unseren bisherigen PCR-Methoden zuverlässig nachgewiesen.

Die Varianten unterscheiden sich im Spektrum der verschiedenen Mutationen. Die Mutation A23036T wird bei allen drei Varianten gefunden. Diese Mutation bewirkt einen Aminosäureaustausch von Asparagin zu Tyrosin an der Position 501 (N501Y) im Spikeprotein. Dieser Austausch scheint die Affinität der Viren für das zelluläre ACE-2-Rezeptorprotein zu erhöhen. Die Mutation G23012A bewirkt einen Aminosäureaustausch von Glutaminsäure zu Lysin an der Position 484 (E484K) im Spikeprotein und wird hauptsächlich bei der Südafrika-Variante (B.1.351) und der Brasilien-Variante (B.1.1.28 P.1) gefunden. Eine Deletion von 2 Aminosäuren (Histidin 69 und Valin70) im Spikeprotein ist ein Merkmal der UK-Variante.

Im LABOR können alle drei Mutationen nachgewiesen werden. Ein negativer Nachweis von N501Y schließt eine Infektion mit einem der drei Stämme B.1.1.7, B.1.351 oder B.1.1.28 P.1 aus. Bei Nachweis von N501Y deutet ein zusätzlicher Nachweis von E484K auf eine Infektion mit der Südafrika-Variante (B.1.351) oder der Brasilien-Variante (B.1.1.28 P.1). Ein Nachweis von N501Y in Kombination mit der Deletion HV69/70 deutet auf eine Infektion mit der UK-Variante. Damit ist ohne Sequenzierung ein schneller (i.d.R. innerhalb eines Tages) Nachweis der oben genannten bereits bekannten relevanten Varianten möglich.

Quantitativer Nachweis – was sagt der Ct-Wert aus?

Von den Laboren wird häufig gefordert, dass zu einem positiven Corona PCR-Test auch der Ct-Wert (= Cp-Wert) mitgeteilt wird. Aus diesem Ct-Wert sollen Rückschlüsse über die Infektiosität gezogen werden, um u.a. über Quarantäne-Maßnahmen zu entscheiden.

Der Ct-Wert, der bei vielen PCR-Geräten angegeben wird, ist die Anzahl der durchgeführten Zyklen, nach denen während der PCR ein positives Signal detektiert wird. Je später das positive Signal detektiert wird (d.h. je höher der Ct-Wert), umso weniger Virus-RNA war in der Probe enthalten.

Bei dem von uns eingesetzten PCR-Test zum Nachweis der SARS-CoV-2-RNA aus Abstrichtupfern und Proben des unteren Respirationstraktes handelt es sich um einen rein qualitativen Test. Einige Probleme, die in folgendem Text ausführlich erläutert sind, erlauben es uns nicht, quantitative Angaben, die nicht den Richtlinien und unserem Qualitätsanspruch genügen, weiterzugeben.

Aus den gleichen Gründen ist auch eine reine Weitergabe der Ct-Werte von uns nicht zu vertreten, da ohne Vergleichsdaten und Kenntnis des Stadiums der Infektion der reine Ct-Wert in vielen Fällen keinerlei Aussagekraft besitzt. Es besteht die Gefahr, dass Patienten aus der Isolierung entlassen werden, die noch ansteckungsfähig sein könnten.

Für Sonderfälle kann als separate Anforderung ein semi-quantitativer Test (Aussage, ob mehr oder weniger als ca. 10⁶ Virusgenomkopien pro ml in einer SARS-CoV-2-positiven Probe vorliegen) durchgeführt werden. Diese Information kann z.B. als zusätzliches Entlasskriterium bei schwerem Verlauf (mit Sauerstoffbedürftigkeit) genutzt werden, falls die PCR frühestens 10 Tage nach Symptombeginn und nach mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit bzw. „nachhaltiger klinischer Besserung“ noch positiv ist.

Eine ausführliche Abhandlung zum Thema quantitativer Nachweis / Ct-Wert finden Sie hier.

Bitte beachten Sie, dass es sich um dynamisches Wissen handelt. Die angegebenen Informationen entsprechen dem aktuellen Stand des Wissens und werden regelmäßig überprüft und aktualisiert, bzw. den neuesten Ergebnissen angepasst. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Impressum Datenschutz