3. Aktualisierung: Stellenwert der SARS-CoV-2 Antikörpernachweise

Antikörpernachweise zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer durchgemachten Infektion mit dem Covid-19-Erreger SARS-CoV-2 haben medial große Aufmerksamkeit erregt. Wie in unseren vorherigen Schreiben versprochen, ist es uns als Facharztlabor wichtig, Sie über den aktuellen Status Quo zu informieren:


Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat mitgeteilt, dass IgG-Nachweise mittels ELISA oder analogen Verfahren extrabudgetär (Kennzeichnung mit der Ziffer 88240) als ähnliche Untersuchung mit der Ziffer 32641 abgerechnet werden können – auch als Nachweis einer Serokonversion durch Untersuchung einer zweiten Blutprobe 7 bis 14 Tage nach einem initial negativen Ergebnis. Der indirekte Erregernachweis (Antikörpernachweis) ist laut § 7 Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, wenn er auf eine akute Infektion hinweist, was bei IgG-Nachweis nicht der Fall ist. Zudem sind auch nach Ansicht des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die derzeit verfügbaren Antikörpertests noch nicht ausreichend evaluiert und nur im Rahmen seroepidemiologischer Studien einsetzbar. Daher seien sie im Sinne des Gesetzestextes nicht als indirekter Nachweis zu werten. Aus Sicht des LGL bestehe daher für diese antikörperbasierten Testverfahren derzeit noch keine Meldepflicht (nach Newsletter 8 des Versorgungsarztes der Landeshauptstadt München).


• IgA- und IgM-Antikörper sind zu unspezifisch, um eine diagnostische Aussagekraft zu haben, der Nachweis ist von der Abrechnung nach EBM ausgeschlossen und wird in unserem Labor nicht durchgeführt.


• Um eine Vergleichbarkeit innerhalb der bereits angelaufenen Münchener Kohortenstudie zu gewährleisten, führen wir diese mit dem Euroimmun-ELISA (Anti-Spike-IgG) fort. Aktuell prüfen wir fortlaufend Testsysteme, die Antikörper gegen andere Virus-Proteine (Anti-Nucleocapsid-IgG) nachweisen, auf ihre Vergleichbarkeit.


• Die Spezifität wird für Tests auf Basis der Spike-Proteine (z.B. Firma Euroimmun) mit ca. 98,5% angegeben, die Sensitivität mit ca. 80% 10 Tage nach Symptombeginn.


• Tests auf Basis des Nucleocapsids haben nach publizierten Studien (z.B. Firma Abbott) bzw. Herstellerangaben (z.B. Firma Roche) noch höhere Spezifitäten (bis zu 99,9%) bei einer Sensitivität von bis zu 97% (14 Tage nach Symptombeginn bzw. PCR-Bestätigung). Angaben zur Schwere der Erkrankung bei den eingeschlossenen Patienten fehlen dabei.


• Unter Berücksichtigung der noch geringen Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung liegt der positive Vorhersagewert (PPV) beim IgG-Nachweis im besten Falle bei ca. 90% – eins von zehn positiven Testergebnissen ist also selbst bei höchster in Studien gemessener Spezifität falsch positiv und das Ergebnis damit für den einzelnen Getesteten nicht aussagekräftig. In einzelnen Untersuchungskollektiven (z.B. bei oder nach Ausbruchsgeschehen in Familien, Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Altenpflege) kann die Prävalenz deutlich höher liegen, dann steigt der PPV, der negative Vorhersagewert (NPV) sinkt aber. Es ist wichtig, die Testergebnisse richtig einzuordnen, um korrekte Rückschlüsse zu ziehen.


• Auch die wichtige Frage, ob die nachgewiesenen Antikörper vor erneuter Erkrankung schützen, kann nicht abschließend beantwortet werden. Viele Beobachtungen sprechen jedoch dafür, dass zumindest ein partieller Schutz vor erneuter Infektion besteht und der Krankheitsverlauf bei einer erneuten Infektion milder ist.